Sie wollen ein Vorhaben aus der Hand geben – aber nicht erst dann erfahren, wie es gelaufen ist, wenn es zu spät ist. Das ist kein Misstrauen. Sie haften weiter für das Ergebnis, auch wenn jemand anderes führt.
Woran Sie erkennen, dass Sie gemeint sind
- Die Kapazität, Ihr eigenes Vorhaben selbst zu führen, haben Sie nicht – und auch keinen eingespielten Ablauf, um zu erkennen, wenn etwas schiefläuft.
- Entscheidungen fallen auf der falschen Ebene: technische Fragen im Lenkungskreis, Grundsatzfragen auf dem Shopfloor.
- Ein Projektstand ist nur von der Person interpretierbar, die ihn erstellt hat.
- Delegieren hieß bisher: entweder Sie sitzen mitten drin, oder Sie erfahren nichts.
Zwei Beispiele aus der Praxis
Übernehmen, ohne das Projekt anzuhalten. Ein seit Jahren laufendes Projekt verlor kurzfristig seine Projektleitung. An der Dokumentation lag es nicht – die war vollständig und sauber geführt. Das Problem war die Konstellation: Kunde, Lieferant und Endkunde in einem Dreiecksverhältnis, in dem jede Seite auf eine Entscheidung der jeweils anderen wartete. Das Projekt stand still, ohne dass jemand blockierte. Die Übernahme erfolgte im laufenden Betrieb, ohne Projektstopp. Die eigentliche Arbeit war nicht die Technik, sondern zu klären, wer im Dreiecksverhältnis welche Entscheidung tatsächlich treffen darf – und was jede Seite von der anderen erwartet, ohne es ausgesprochen zu haben.
Kontrolle behalten heißt: jede Ebene bekommt ihre eigene Frage. In einem anderen Fall wurde viel besprochen, aber nicht koordiniert: Technische Fragen landeten im Lenkungskreis, Grundsatzentscheidungen wurden auf dem Shopfloor diskutiert. Aufgebaut wurde eine durchgängige Review-Struktur, in der jede Ebene ihre eigene Frage beantwortet und ihren eigenen Takt hat – Shopfloor-Meetings für das, was heute hakt; Design-Reviews für die technische Lösung, am Objekt und mit denen, die sie bauen; Projekt-Reviews für Fortschritt, Risiken und Abweichungen; der Lenkungskreis für Entscheidungen oberhalb der Projektleitung, und nur für diese.
Was ich übernehme
Ich übernehme es, abzustimmen oder auch interimistisch zu leiten – und richte dabei die Berichtslinie so ein, dass Sie an wenigen festen Punkten sehen, woran Sie sind. Kontrolle behalten heißt nicht, in jedem Termin zu sitzen. Es heißt, dass Entscheidungen dort fallen, wo sie hingehören, und dass ein Projektstand auch ohne seinen Verfasser lesbar bleibt.
Wenn Sie das wiedererkennen, ist der erste Schritt ein Gespräch darüber, was Sie sehen müssten, um ruhig abgeben zu können.